Personalia

Marion Hövener

Mein Weg zum Taiji Quan und Qi Gong

Marion HövenerEs war an einem Samstagnachmittag im September 1990, als ich meine erste Unterrichtsstunde für Taiji Quan besuchte. Mit 24 anderen Teilnehmern stand ich in der Sporthalle und hatte wie die meisten anderen keine wirkliche Vorstellung, was mich überhaupt erwarten würde.

Der Dozent Gerhard Milbrat beschäftigte sich zu der Zeit seit 15 Jahren mit asiatischer Kampfkunst und war erst vor kurzem aus Korea zurückgekehrt. Das er mich einmal als mein Lehrer auf meinem Lebensweg begleiten würde, hätte ich zu diesem Zeitpunkt nie gedacht.

Zuerst erzählte er uns etwas über Taiji Quan. Ich erfuhr, dass es sich dabei um eine Bewegungskunst handelte, die förderlich für die Gesundheit ist. Sie beruht auf der Philosophie von Yin und Yang, harmonisiert Körper, Geist und Seele und gilt als innere Kampfkunst. Nach der aufschlussreichen Erklärung folgte eine Demonstration der Taiji-Form.

Sanfte fließende Bewegungen, voller Ausdruck, Schönheit und Energie. Fasziniert schauten wir zu – so etwas sollten wir auch mal können.

Dann begann für uns der praktische Teil. Hatten wir erwartet, dass es sofort mit diesen schönen Bewegungen los ging, wurde uns erklärt, wir müssten erstmal richtig Stehen lernen, damit die Energie im Körper frei fließen kann. „Struktur aufbauen“ wurde das genannt.

Plötzlich lernte ich Muskelgruppen kennen, von deren Existenz ich vorher nicht einmal etwas geahnt hatte, da diese nun durch die gelösten Gelenke beansprucht wurden. Gleichzeitig war es erstaunlich, wie gut es sich in der korrigierten Haltung entspannen ließ.

Nachdem wir „Stehen“ konnten, wurde anhand von Schrittübungen das bewusste Gehen geübt.

Wir sollten mit den Augen lernen, und vor allem die Schultern und Knie locker lassen, genau zuschauen und die Bewegung einfach nachmachen. Ab jetzt wusste jeder, was damit gemeint war, dass die Konzentration und Koordination ebenfalls geschult wurde. Es war gar nicht so einfach, die scheinbar einfachen Bewegungen nachzumachen – war es doch völlig ungewohnt für uns, gegensätzliche Bewegungen auszuführen, dabei aufrecht zu gehen und dazu locker zu bleiben.

Obwohl alles recht gewöhnungsbedürftig war, machte es Spaß und durch die Geduld und Motivation von Gerhard gelang es uns bald, „taijimäßig gehen“ zu können.

In der dritten Unterrichtsstunde war es dann soweit, dass wir an die Figuren der Taiji Quan Form herangeführt wurden. Nach einer Vielzahl von Wiederholungen, Korrekturen und stetigem Üben wurde das Verständnis für die Bewegungen immer besser. Am Ende des Kurses konnten wir tatsächlich die „24er Peking-Form“ fließend laufen und dabei einigermaßen die Struktur halten. Wenn es auch noch nicht perfekt war, so waren wir doch alle glücklich, soweit gekommen zu sein.

Im gleichen Jahr des Beginns meines Taiji-Trainings, fing ich an, mich im Qi Gong zu üben.

Durch diese beiden Systeme bekam ich nach einiger Zeit ein ganz neues Körpergefühl. Für mich wurde deutlich spürbar, immer mehr ins Gleichgewicht zu kommen.

Nach einiger Zeit des Assistenzunterrichts bei meinem Lehrer Meister Gerhard Milbrat, Leiter des Dan-Gong Institutes für chinesische Heil- und Bewegungskunst in Lüdinghausen (www.dan-gong.de), leite ich seit 1997 eigene Gruppen.

Die Lehrerprüfung für Qi Gong habe ich im Dan-Gong abgelegt und die Kursleiterprüfung für Taiji Quan bei der World Chen Xiaowang Taijiquan Association Germany (WCTAG).

Zu meiner Fortbildung gehört auch die Teilnahme an Lehrgänge für Chen-Taiji Quan bei Großmeister Chen, Xiaowang und Meister Jan Silberstorff sowie bei Meister Li, Jia-Cheng für Qi Gong.

Marion Hövener